Lesezeit: ca. 10 Minuten
Schwierigkeit: analytisch, anspruchsvoll
Thema: Generation Z, Ausbildung, Handwerk, Recruiting
Die Studie zeigt, dass die Generation Z Sicherheit, Erfüllung und Stabilität höher gewichtet als reine Status- oder Karrieremotive (Kekić, 2023). In der öffentlichen Diskussion wird daraus häufig abgeleitet, dass zusätzliche Benefits oder bessere Bezahlung ausreichen würden. Diese Interpretation verkennt jedoch, dass es sich nicht um Motivationswünsche, sondern um Orientierungsanforderungen handelt – und damit um eine andere Entscheidungsebene.
Die naheliegende Erklärung

Denkfehler im Ausbildungsrecruiting
Wenn Betriebe über fehlende Bewerbungen sprechen, fällt der erste Satz oft gleich aus: „Die wollen nur mehr Geld.“
Diese Annahme wirkt plausibel. Die Studie zeigt, dass Sicherheit, Stabilität und ein erfüllender Beruf für die Generation Z eine zentrale Rolle spielen (Kekić, 2023). In einem Umfeld steigender Lebenshaltungskosten liegt es nahe, diese Aussagen monetär zu lesen.
Warum diese Annahme überzeugt
Gehalt ist messbar. Es lässt sich vergleichen, erhöhen, kommunizieren. Für Betriebe ist Geld ein greifbarer Hebel, der in der eigenen Verantwortung liegt. Die Versuchung ist groß, komplexe Orientierungsfragen der jungen Generation in eine bekannte betriebswirtschaftliche Logik zu übersetzen.
Beobachtung versus Interpretation
Die Beobachtung aus der Studie ist klar: Die Generation Z strebt nach Sicherheit, Stabilität und Erfüllung (Kekić, 2023).
Die Interpretation ist es nicht. Sicherheit wird häufig mit Einkommen gleichgesetzt. Erfüllung mit Motivation. Stabilität mit langfristiger Bindung. Diese Gleichsetzungen stehen so jedoch nicht in der Studie.
Der Denkfehler
Der zentrale Denkfehler liegt in der monetären Verkürzung von Orientierung.
Was als Wunsch nach Geld gelesen wird, ist in der Studie als Wunsch nach Verlässlichkeit, Klarheit und Struktur beschrieben. Geld ist darin kein Ziel, sondern ein Platzhalter für etwas anderes.
Warum diese Logik nicht trägt
Die Generation Z ist laut Studie realistisch, sicherheitsorientiert und zweckmäßig geprägt (Kekić, 2023). Diese Eigenschaften entstehen in einem Umfeld permanenter Krisenwahrnehmung. Daraus folgt kein gesteigerter Anspruch, sondern ein reduzierter Spielraum für Unsicherheit.
Wer diese Haltung als Anspruchsdenken interpretiert, verfehlt ihre Ursache.
Was hier noch ungeklärt bleibt
Bis hierhin erklärt das jedoch nicht, warum gerade engagierte, gut geführte Betriebe trotz fairer Bezahlung und gutem Betriebsklima keine passenden Bewerber finden. Die bloße Korrektur der Gehaltsannahme reicht nicht aus, um dieses Phänomen zu verstehen.
Die bisherige Analyse zeigt, warum die verbreitete Erklärung zu kurz greift. Sie erklärt jedoch noch nicht, warum sich dieser Denkfehler so hartnäckig hält – selbst bei Betrieben, die vieles richtig machen.
Der folgende Abschnitt ordnet die zugrunde liegende Ursache ein und zeigt,
warum vereinfachte Erklärungen und populäre Lösungsansätze hier scheitern.
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