| Lesezeit: ca. 7 Minuten / Schwierigkeitsgrad: anspruchsvoll / Zielgruppe: Inhaber, Geschäftsführer und Entscheider in Handwerksbetrieben (KMU) |

Zwischen Sicherheit und Anspruch
Die Generation Z wird im betrieblichen Kontext oft mit drei Begriffen beschrieben: realistisch, vernetzt, anspruchsvoll. Diese Zuschreibung wirkt auf den ersten Blick plausibel und wird durch zahlreiche Zahlen gestützt. Gleichzeitig erzeugt sie Irritation, insbesondere im Handwerk, wo Arbeit traditionell über Beständigkeit, Einsatzbereitschaft und klare Abläufe definiert ist. Die Studie liefert viele dieser Zahlen und Eigenschaften selbst. Sie beschreibt eine Generation, die Sicherheit schätzt, Erfüllung sucht, digital vernetzt ist und zugleich hohe Erwartungen an Arbeit und Arbeitgeber richtet (Kekić, 2023). Das Problem liegt nicht in der Beschreibung, sondern in der Art, wie sie gedeutet wird.
Beschreibung ersetzt kein Verständnis
In vielen Betrieben werden die Eigenschaften der Generation Z additiv gelesen. Realistisch plus anspruchsvoll plus digital ergibt in der Wahrnehmung ein Bild von Mitarbeitenden, die viel erwarten, aber wenig geben. Diese Lesart ist verbreitet, sie ist aber verkürzt.
Die Studie selbst weist mehrfach darauf hin, dass sich die Generation Z noch in der Prägephase befindet und ihre Werte, Haltungen und Erwartungen noch nicht stabil ausgeformt sind (Kekić, 2023). Wer ihr Verhalten wie ein abgeschlossenes Profil liest, übersieht diesen entscheidenden Kontext.
Der zentrale Denkfehler: Anspruch als Forderung zu verstehen
Der häufigste Denkfehler im Umgang mit der Generation Z besteht darin, ihren Anspruch als Forderung zu interpretieren. Anspruch wird dabei mit Unzufriedenheit oder Überheblichkeit gleichgesetzt.
Die Studie legt jedoch nahe, dass Anspruch in diesem Zusammenhang etwas anderes bedeutet. Er beschreibt weniger ein klares Wollen als ein Suchen. Die Generation Z versucht, Arbeit, Sicherheit, Sinn und Lebensentwurf miteinander in Einklang zu bringen (Kekić, 2023).
Anspruch ist hier kein Endpunkt, sondern Ausdruck von Orientierungslosigkeit in einer komplexen Arbeitswelt.
Realismus als Reaktion auf Unsicherheit
Die Studie beschreibt die Generation Z ausdrücklich als realistisch. Dieser Realismus zeigt sich unter anderem im hohen Stellenwert von Sicherheit, Stabilität und Sparsamkeit (Kekić, 2023). Häufig wird daraus geschlossen, diese Generation sei risikoavers oder wenig leistungsbereit.
Diese Schlussfolgerung greift zu kurz. Realismus entsteht nicht im luftleeren Raum. Die Generation Z ist mit globalen Krisen, wirtschaftlicher Unsicherheit, permanenter medialer Verfügbarkeit von Risiken und einer hohen Erwartungshaltung ihres Umfelds aufgewachsen.
Sicherheit wird in diesem Kontext nicht als Bequemlichkeit gesucht, sondern als notwendige Grundlage, um überhaupt planen zu können.
Vernetzung als Normalzustand, nicht als Ablenkung
Ein weiteres zentrales Merkmal der Generation Z ist ihre starke digitale Vernetzung. Die Studie zeigt, dass 89 Prozent dieser Generation täglich ihr Smartphone nutzen und als ständig online gelten (Kekić, 2023).
In vielen Betrieben wird dieses Verhalten als Ablenkung oder mangelnde Konzentration interpretiert. Dabei wird übersehen, dass digitale Vernetzung für diese Generation kein Zusatz, sondern Normalzustand ist. Information, Kommunikation und soziale Orientierung laufen parallel.
Die Studie ordnet diese Mediennutzung nicht als Freizeitphänomen ein, sondern als prägendes Element der Lebenswelt der Generation Z (Kekić, 2023).
Warum Anspruch und Sicherheit zusammengehören
Auf den ersten Blick wirken Sicherheitsbedürfnis und hohe Ansprüche widersprüchlich. Wer Sicherheit sucht, so die verbreitete Annahme, müsse bereit sein, Abstriche zu machen. Die Studie zeigt jedoch, dass diese Logik für die Generation Z nicht gilt (Kekić, 2023).
Sicherheit ist für sie keine Belohnung, sondern Voraussetzung. Erst wenn ein Arbeitsplatz als stabil und verlässlich wahrgenommen wird, entsteht Raum für Fragen nach Erfüllung, Entwicklung und Sinn.
Der Anspruch entsteht also nicht trotz des Sicherheitsbedürfnisses, sondern gerade wegen ihm.
Arbeit als erklärungsbedürftiger Lebensbereich
Ein zentrales Ergebnis der Studie ist, dass die Generation Z Arbeit nicht mehr als Selbstverständlichkeit akzeptiert. Arbeit muss begründbar sein, sowohl gegenüber sich selbst als auch gegenüber dem sozialen Umfeld (Kekić, 2023).
Frühere Generationen wuchsen in Strukturen auf, in denen Arbeit eine klare gesellschaftliche Funktion hatte. Sie war notwendig, alternativlos und identitätsstiftend. Für die Generation Z ist diese Selbstverständlichkeit brüchig geworden.
Arbeit steht heute in Konkurrenz zu vielen anderen Lebensbereichen, die ebenfalls Sinn, Anerkennung und Zugehörigkeit versprechen.
Warum das im Handwerk besonders spürbar ist
Handwerksbetriebe sind stark von tradierten Arbeitsbildern geprägt. Ausbildung, Leistungsbereitschaft und Loyalität galten lange als selbstverständlich miteinander verbunden.
Die Studie zeigt, dass die Generation Z diese Verbindung nicht automatisch herstellt (Kekić, 2023). Sie muss erklärt, erlebt und nachvollzogen werden. Das führt zu Reibung, insbesondere dort, wo Erwartungen unausgesprochen bleiben.
Diese Reibung wird häufig der Generation Z zugeschrieben, ist aber Ausdruck unterschiedlicher Erfahrungswelten.
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