| Lesezeit: ca. 7 Minuten / Schwierigkeitsgrad: anspruchsvoll / Zielgruppe: Inhaber, Geschäftsführer und Entscheider in Handwerksbetrieben (KMU) |

Warum Zahlen allein die Gen Z nicht erklären
Kaum eine Generation wird so häufig über Zahlen beschrieben wie die Generation Z.
62 Prozent wünschen sich einen Beruf, der sie erfüllt.
58 Prozent streben nach einem sicheren Arbeitsplatz.
89 Prozent sind täglich online und nutzen ihr Smartphone permanent (Kekić, 2023).
Diese Zahlen sind schnell erzählt, leicht zitierbar und scheinbar eindeutig. In der betrieblichen Praxis dienen sie oft als Grundlage für klare Urteile: zu anspruchsvoll, zu vorsichtig, zu digital, zu wenig belastbar.
Das Problem ist nicht die Datengrundlage. Das Problem ist die Schlussfolgerung.
Beschreibung ersetzt kein Verstehen
Die Studie beschreibt die Generation Z als realistisch, sicherheitsorientiert, stark vernetzt und zugleich auf der Suche nach persönlicher Erfüllung (Kekić, 2023). Diese Beschreibung wird im betrieblichen Alltag häufig in einzelne Fragmente zerlegt.
Der Wunsch nach Sicherheit wird als Angst gelesen.
Der Wunsch nach Erfüllung als Anspruchsdenken.
Die Smartphone-Nutzung als Ablenkung.
Was dabei verloren geht, ist der Zusammenhang.
Der zentrale Denkfehler: Einzelwerte isoliert zu deuten
Der häufigste Denkfehler im Umgang mit der Generation Z besteht darin, einzelne Werte isoliert zu betrachten und gegeneinander auszuspielen. Sicherheit wird gegen Leistung gestellt. Erfüllung gegen Gehalt. Online-Sein gegen Verlässlichkeit.
Die Studie zeigt jedoch, dass diese Werte nicht alternativ, sondern gleichzeitig auftreten (Kekić, 2023). Genau diese Gleichzeitigkeit irritiert viele Betriebe.
Sicherheit ist kein Rückzug, sondern ein Ausgangspunkt
58 Prozent der Generation Z wünschen sich einen sicheren Arbeitsplatz. Diese Zahl wird häufig als Zeichen von Risikoaversion gelesen. Implizit schwingt dabei die Annahme mit, frühere Generationen seien mutiger gewesen.
Die Studie legt eine andere Deutung nahe. Die Generation Z ist in einer Welt aufgewachsen, die zugleich komfortabel und krisenhaft ist. Wirtschaftskrisen, globale Unsicherheiten, Pandemie, permanente mediale Präsenz von Risiken prägen ihr Sicherheitsverständnis (Kekić, 2023).
Sicherheit ist hier kein Endziel, sondern eine Voraussetzung, um sich überhaupt orientieren zu können.
Erfüllung als Suchbegriff, nicht als Forderung
62 Prozent wünschen sich einen Beruf, der sie erfüllt und Freude bereitet. In vielen Betrieben wird dieser Wunsch als schwer greifbar oder unrealistisch empfunden.
Die Studie zeigt jedoch, dass die Generation Z sich noch in der Phase der Prägung befindet, den eigenen beruflichen Antrieb sucht und gleichzeitig versucht, hohe Erwartungen der Eltern zu erfüllen (Kekić, 2023).
Erfüllung fungiert in diesem Kontext nicht als konkrete Forderung, sondern als Orientierungsbegriff. Er beschreibt den Wunsch nach Stimmigkeit zwischen Tätigkeit, Lebensentwurf und Selbstbild.
Warum Gehalt dabei nicht verschwindet
Ein weiterer Kurzschluss besteht darin, Erfüllung als Abwertung materieller Aspekte zu lesen. Die Studie widerspricht dem klar. Sparsamkeit, Stabilität und Sicherheit zählen explizit zu den Werten der Generation Z (Kekić, 2023).
Gehalt bleibt relevant. Es liefert jedoch keine Orientierung allein. Es beantwortet nicht die Frage, ob Arbeit als sinnvoll, erklärbar oder langfristig tragfähig erlebt wird.
Die Rolle des Smartphones
89 Prozent der Generation Z nutzen ihr Smartphone täglich und gelten als ständig online (Kekić, 2023). In vielen Betrieben wird dies als mangelnde Konzentration oder fehlender Respekt interpretiert.
Die Studie ordnet diese Nutzung anders ein. Die Generation Z ist mit mobilen Endgeräten aufgewachsen. Für sie ist digitale Vernetzung kein Zusatz, sondern Normalität. Kommunikation, Information und Orientierung finden parallel statt.
Das Smartphone ist kein Freizeitobjekt, sondern ein Werkzeug zur Strukturierung des Alltags.
Warum diese Gleichzeitigkeit irritiert
Für viele Handwerksbetriebe sind Werte historisch klar verknüpft. Leistung führt zu Anerkennung. Loyalität entsteht über Dauer. Erfüllung ergibt sich im Rückblick.
Die Generation Z betritt diese Strukturen mit einem anderen Erwartungshorizont. Sie sucht Orientierung vor Bindung, Sicherheit vor Loyalität und Erklärung vor Selbstverständlichkeit (Kekić, 2023).
Diese Umkehrung wird häufig als Ablehnung gelesen, ist aber strukturell erklärbar.
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